Reisebericht Teil 2: Eldorado

24 Mrz

Ein paar Tage waren nun vergangen seit meine Eltern das erste Mal lateinamerikanischen Boden betreten hatten. Das neue Jahr hatte begonnen, Bogotá hatte alles gegeben seine neuen Gäste zu beeindrucken und das Goldmuseum hatte uns eine interessante Idee gegeben.

Das Goldmuseum beschäftigt sich unter anderem mit den Fundstücken aus den umliegenden Lagunen in der Nähe Bogotás. Die sagenumworbenen Geschichten des Eldorados die die Eroberer nach ihrer Rückkehr aus der neuen Welt erzählten berichten von einem riesigen Goldschatz der Indianer. Nach genaueren Untersuchen vermutet man, dass die Laguna de Guatavita Schauplatz dieser Sage sein könnte.

Eine Goldbarke die das Ritual des Opferung darstellt -gefunden in der Nähe der Laguna de Guatavita

An einem schönen sonnigen Tag machten wir uns also gemeinsam, meine Gastschwester Naty, meine Eltern und Toni der extra aus Girardot kam, auf den Weg den Spuren der großen Eroberer zu folgen und das Eldorado zu suchen.
Die Suche beschränkte sich allerdings nur auf das Finden des richtigen Busses der uns in das Dörfen Guatavita bringen sollte, und nach kurzem Nachfragen wurden wir gleich in den Richtigen hineinverfrachtet gemeinsam mit 20 anderen Passagieren die wiederum gar nicht wie Goldjäger aussahen sondern eher wie Bauern, die ihre neuen Einkäufe aus der Stadt nach Hause bringen wollten.

Guatavita

In Guatavita angekommen stiegen wir gleich in den nächsten kleinen Touristenbus um, der jedoch wegen Mangel an Sitzplätzen noch schnell mit Hockern aus dem kleinen Kiosk gegenüber ausgestattet wurde – und los ging die Fahrt.
Über enge kurvige Straßen tuckerten wir dann hinauf, der Lagune entgegen, tuck tuck tuck, vorbei an anderen kleinen Seen und Weidelandschaften die ein bisschen an die Alpen erinnerten tuck tuck tuck, schön wackelig auf den Hockern rumschauckelnd, tuck tuck tuck und WRUUUUMPS!!!! Es tat einen riesen Schlag, der Bus stand still und es kam eine riesige Rauchwolke unter der Kühlerhaube hervor. Na Super. Von jetzt an zu Fuß.
Zum Glück war der Eingang nicht weit weg. Wir gaben unseren Rucksack ab und folgten unserem Reiseleiter der uns von nun an alles erklären sollte.
So liefen wir also über kleine Trampelwege den Berg hinauf, immer noch in Richtung Laguna während wir mit Informationen zu den Muiscas Indianern gefüttert wurden, sodass wir uns auch gleich wie solche fühlten.  Und dann waren wir da: Wir standen auf einem riesigen Krater und schauten hinab in ein tiefes mit Wasser gefülltes Loch. Die Laguna de Guatavita. Das Eldorado.

Ausblick auf die Laguna de Guatavita

Damals noch vor der Eroberung hatten die Muiscas ihren Göttern Gold geopfert. Sie sahen das Wasser als Verbindung zwischen Erde und Unterwelt an. Wenn die Götter also besänftigt werden mussten, brachten die Muiscas ihre Goldschmiedereien zur Laguna und warfen es in die Tiefen des Wassers.  Man kann die Mengen an Gold also nur erahnen die sich dort unten im Laufe der Muisca Epoche angesammelt haben muss. Dasselbe dachten sich auch viele „Weiße“ die vom Goldrausch gepackt wurden und versuchten dem hab haftzu werden.

Dabei gab es drei Versuche: 1545 versuchten zwei Spanier mit Kürbisschalen das Wasser abzuschöpfen. Der Wasserspiegel fiel um 3m und gab einige Münzen und Goldgegenstände frei.
1580 versuchte ein weiterer „Weißer“ mit ca 8.000 Indianern den See trocken zu legen. Sie „schnitten“ das Seeufer auf, konnten den Wasserspiegel um 20m senken doch dann stürzten die Wände ein und blockierten den Abfluß.
1898 schaffte ein Brite einen Abfluß zu legen und den See komplett trocken zu legen. Allerdings trocknete die Sonne die meterdicke Schlammschicht aus, diese verstopfte den Abfluß und der See füllte sich wieder mit Wasser.

Welch ironische Zufälle, dass es keinem gelang an das Gold heranzukommen. Vielleicht wollten die Muisca-Götter ihre Opfergaben nicht hergeben….

Wir jedenfalls umrundeten gemütlich den halben See, genossen den Ausblick auf das Eldorado und machten uns nach einiger Zeit wieder auf den Weg nach unten.
Und wie wir so liefen kam uns der Verdacht, dass wir an einer ganz anderen Stelle auskommen würden als wir losgelaufen waren. Und was war mit unseren Rucksäcken die wir am Eingang gelassen hatten? Wo waren wir überhaupt?

Und dann sahen wir den Bus, natürlich ein neuer, der Alte hatte ja unterwegs schlapp gemacht, aber immer noch mit derselben Besetzung die schon seit 1 STUNDE geduldig auf uns wartete und uns freudig zuwinkte als wir in Sichtweite kamen. Nun war es schon peinlich genug, dass wir ollen Turis wieder den kompletten Zeitplan durcheinander brachten, aber jetzt auch noch erwähnen zu müssen, unsere Rucksäcke würden am Eingang liegen war wirklich die Krönung.

Da wir uns aber glücklicherweise in Kolumbien aufhalten, ist nichts ein Problem und der neue Busfahrer fuhr uns zum Eingang unter ständiger Wiederholung, dass er Touristen immer von Anfang an sagen würde wie der Rundgang ablief, und wir ja nichts dafür könnten, dass sein Kollege das eben versäumt hätte. Es sei schließlich sein Kollege gewesen der uns gefahren hätte und nicht er, er könne immerhin Englisch, und es sollten überhaupt alle froh sein, dass Touristen in das Land kämen, und man könnte uns wirklich nicht böse sein, wir würden ja auch nichts verstehen, das sei doch überhaupt kein Problem wieder zum Eingang zu fahren, und eine Stunde Verspätung hat doch wohl eher kolumbianischen Charakter als amerikanischen oder englischen oder französischen oder was auch immer wir denn seien, völlig egal, Touristen eben die nichts verstehen…..

Und so ging es weiter bis wir wieder im Dorf ankamen, froh darüber, dass wohl keiner bemerkt hatte, dass wir sehr wohl spanisch verstehen und sogar eine waschechte Kolumbianerin dabei hatten. Aber somit konnten wir uns wenigstens in Unschuld währen…

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